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Gefahren der „Rehalücke“ für Unfallgeschädigte

Vom 17.08.2022 bis zum 19.08.2022 findet der 60. Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) in Goslar statt. In einem Arbeitskreis zum Thema Rehamanagement für Schwerstverletzte wird die Optimierung der Akut- und Anschlussheilbehandlung sowie vernetztere Zusammenarbeit im Sinne der Geschädigten diskutiert. Der Arbeitskreis publiziert hiernach eine Empfehlung. Bereits im Vorfeld des VGT machten sich der ADAC und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die Schließung der „Rehalücke“ stark.

Der GDV gibt wieder, dass je früher die Rehabilitation des Geschädigten beginnt, desto besser die Wiedereingliederungschancen im Alltag und im Beruf sind. Der ADAC schließt sich dieser Einschätzung an und fordert eine optimale Zusammenarbeit von Geschädigten/Rechtsanwälten, Versicherern und Kliniken trotz möglicherweise noch ungeklärten Haftungsfragen.

Tatsächlich birgt die „Rehalücke“ enorme Gefahren für den Rehabilitationsprozess des Geschädigten. So sind z.B. die beruflichen Wiedereingliederungchancen insbesondere in kleineren und mittelgroßen Betrieben erschwert, wenn Wiedereingliederungsversuche nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt eingeleitet werden. Auch die mentale Verfassung bei einigen Geschädigten muss in der Phase zwischen der Akutbehandlung und der Anschlussheilbehandlung berücksichtigt werden.

Bemühungen eine unmittelbare Anschlussheilbehandlung an die Akutbehandlung mit Hilfe des Klinik-Casemanagements/Sozialdienstes zu ermöglichen, können in Einzelfällen zum Rehaantritt von nicht „rehafähigen“ Geschädigten führen. Diese Einzelfälle sind in der Praxis, trotz „rehafähiger“ Entlassung nach Assessments wie dem Barthel-Index, zu beobachten und können zu Abbrüchen oder Verlängerungen der Maßnahmen führen.

Ein funktionierendes Casemanagement mit Vernetzung zu den Beteiligten kann für ein erfolgreiches Überleitungsmanagement, welches stets auch mit der Klärung der Kostenübernahme verbunden ist, sorgen. Unterstützend und erforderlich sind in diesem Zuge Plattformen für das digitale Entlassmanagement, welche die Beteiligten, auch aufgrund des Fachkräftemangels, entlasten.

Die Versicherungswirtschaft startet ein Testprojekt, welches mit Kliniken in Hannover, Münster und Regensburg erprobt werden soll.